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Interview mit einer Betroffenen

Frau H. (33) ist alleinerziehende Mutter ihres Sohnes C (14). Als C geboren wurde, war Frau H. noch in der Ausbildung zur Detailhandelsfachfrau. Gerade mal eine Woche nach der komplikationsreichen Geburt war Frau H. wieder in der Berufsschule anzutreffen. Ihr steter Begleiter ein Babyphone. Und irgendwo in den endlosen Korridoren lag ihr kleines, schlafendes Baby. Ein Fernbleiben kam für Frau H. nicht in Frage, obwohl ihre schulischen Leistungen überdurchschnittlich waren.

Interview: Katharina Hubacher, Grosstadträtin Grüne, Luzern

Frau H, Sie waren die ganzen 13 Jahre alleinerziehend. Können Sie uns sagen. wie es zu Beginn war. Wie haben Sie Ihre Ausbildung und die Betreuung von C organisiert? Wie haben Sie ihr Leben finanziert?
Glücklicherweise hatte ich einen tollen Lehrbetrieb und eine Chefin, die mich voll unterstützte und mich auch in die Schwangerschaftsberatung begleitete. Dank Ihr fand ich nach dem Frauenhaus in einer Jugend-WG Platz. Dabei bevormundete sie mich aber in keinster Weise. Und dank ihres unermüdlichen Engagements konnte ich C. ausnahmsweise schon mit mit acht statt mit zwölf Wochen in die Kinderkrippe bringen. Die Kinderkrippe war dank ihrer einkommensabhängigen Tarife auch für mich finanzierbar. Aber es darf niemand glauben, dass es einfach ist für eine Mamma, ihr kleines Baby in einer Krippe abzugeben. Trost war für mich, dass die Erzieherinnen in dieser Krippe alle gut ausgebildet waren und nur das Allerbeste für meinen kleinen C. wollten.

Hier muss ich etwas ausholen: Ich komme selber aus sehr schwierigen Verhältnissen. Meine Mutter hat mich mit 15 ½ Jahren ausserehelich geboren, was vor 33 Jahren schon noch eine kleine Tragödie war. Als ich dann drei Jahre alt war, heiratete sie meinen Adoptivvater. Mit 22 Jahren war sie dreifache Mutter und mit ihren Aufgaben heillos überfordert. Als C. zur Welt kam, war meine Mutter bereits wieder 6 Jahre geschieden und musste den Lebensunterhalt meiner beiden kleineren Geschwister bestreiten. Somit konnte ich unter diesen schwierigen Bedingungen auf keine finanzielle Unterstützung ihrerseits hoffen. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich ans Sozialamt zu wenden, denn mit den CHF 500.--, die ich verdiente, konnte ich gerade mal die Wohnungsmiete bezahlen.

Wie haben Sie die Belastungen als alleinerziehende Mutter erlebt? Was konnten Sie bewältigen? Wo kamen Sie an ihre Grenzen?
Das finde ich eine sehr schwierige Frage. Die ersten paar Jahre habe ich einfach nur funktioniert. Wie? Das weiss ich heute nicht mehr. Vermutlich kam mir meine Jugend zu Hilfe. Da hat man noch so viel Energie! Aber die finanzielle Belastung war für mich ganz klar die grösste Herausforderung. Es gab Zeiten, da war ich Teilzeitangestellte bei zwei Arbeitgebern und an meinem freien Tag besuchte ich noch die Berufsschule, um die Handelsschule zu absolvieren. Und doch reichte mein Verdienst bei einem 100% Pensum nicht aus, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Zeit für sich selber gab es nicht. Man arbeitete, versorgte abends noch den Kleinen, brachte den Haushalt in Ordnung, kochte vor, und wenn noch Zeit blieb, steckte man die Nase in die Lehrbücher.

Später wurde es auch nicht besser. Nach erfolgreich abgeschlossener Handelsschule nahm ich eine 100% Anstellung als Filialleiterin an. Bei einem Bruttolohn von 3200.– blieb mir zwar der Gang zum Sozialamt erspart, aber grosse Sprünge liessen sich trotzdem nicht machen. Hinzu kam die ständige Organisation, wer mein Kind von der Krippe abholen soll. Die Krippe schliesst um 18.30Uhr und als Filialleiterin musste ich die Abrechnung machen, sowie auch einen Arbeitsweg von 20min zurücklegen. Auch die Betreuung während sowie am Samstag musste mit viel Organisationstalent und Aufwand bewältigt werden. C. wurde oft 25 km entfernt betreut.

Wie sind Sie heute organisiert? Sind Sie berufstätig? Wie sieht die Betreuung von C aus?
Heute ist es ein wenig einfacher. Ich arbeite auf dem Büro. C. ist nun in einem Alter, in dem er für sich selber sorgen kann. Meist hat er Freifächer über den Mittag und ist im Stande etwas Vorgekochtes kurz aufzuwärmen und nachmittags selbständig in die Schule zu gehen.

Welche Ereignisse sehen Sie als heutiger Sicht als hilfreich? Welche waren sehr belastend?
Wie bereits oben erwähnt war die finanzielle Belastung wirklich das schlimmste. Ich war froh selbstständig zu sein und nicht mehr von irgendwelchen Vorsorgeeinrichtungen leben zu müssen, aber gereicht für einen Musikschulunterricht für C. hat es zum Beispiel nie.

Ganz klar war das hilfreichste zu dieser Zeit die Kinderkrippe! Ohne diese Einrichtung wäre ich schlichtweg aufgeschmissen gewesen.

Hätte der Kanton Luzern vor 13 Jahren schon Ergänzungsleistungen für Familien analog zu den EL zu AHV und IV Renten gekannt, was hätte dies für Sie bedeutet? Was hätte es verändert?
Ganz ehrlich, ich kann nicht mehr sagen, ob das Thema «Ergänzungsleistungen für Familien» im Jahre 2001 im Kanton Luzern ein grosses politisches Thema waren. Eine Tageszeitung konnten wir uns nicht leisten, Internet war noch nicht so verbreitet und ich bin auch nicht sicher, ob ich noch genug Zeit gehabt hätte, diese jeden Abend zu lesen.

Natürlich wären Ergänzungsleistungen für Familien für mich eine enorme Erleichterung gewesen. Das hätte mich vor dem Gang zum Sozialamt gerettet. Das allerschönste wäre natürlich gewesen, wenn ich nicht 100% hätte arbeiten müssen und ein wenig mehr Zeit für C. gehabt hätte. Wenn ich seine ersten Worte oder seine ersten Schritte nicht verpasst hätte. (lächelt leicht wehmütig!)

Aber ich hoffe, dass junge Frauen in einer ähnlichen ­Situation wie ich es in Zukunft einfacher haben werden.

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